Pio Mars liebt die Fülle. Viele Bilder der Welt für seine Neuordnung der Welt. Aus ausschließlich selbst fotografierten Vorlagen komponiert er rätselhaft-kompakte Mischwesen oder entwirft breit angelegte und großformatige Panoramen. Dafür bringt er, technisch leichthändig erscheinend, Motive aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen in neue Zusammenhänge. Dort schwingen sie sich in den feinen Rhythmus verwegener Nachbarschaften ein.
Vor dem zweieinhalb Meter hohen und vier Meter breiten hinterleuchteten großformatigen Arbeiten werden Mars ́ unverbrauchte Entdeckerfreude und seine Kombinationslust greifbar. Von der regnenden Kunstwolke zum neobarocken Orgelprospekt, vorbei an historischen Hauseingängen, Plastikeis in der Waffel, geschmiedeten Kunstwerken, geschrumpften Bankneubauten oder Riesenerdbeeren: die ursprünglichen Größenverhältnisse sind außer Kraft gesetzt, statische Gesetze aufgehoben, Wiederholungen erlaubt. Ein farben- und formenreiches motivisches Netz bietet Raum zum absichtslosen Schlendern auf immer neuen optischen Pfaden.
Wie am Reißbrett arrangiert er fruchtige Blütenwesen, Maschinenteile, feinmechanische Details, Planausschnitte, Architektur- und Körperfragmente. Obwohl die Elemente benennbar bleiben, entstehen ästhetische Flechtwerke, die sich wie abstrakte Ornamente vom schwarzen Grund abheben.
Als sei es ihm das Sicherste, die ohnehin brüchige Welt vollends zu zerlegen, um ihr im eigenen digitalen Setzkasten neue Beweglichkeit und sicheren Halt zu schaffen, ist Mars an der permanenten Neuordnung. Und es scheint, als erbe sich für ihn erst durch die Vielzahl der Einzelbilder der richtige Gesamtklang.
Mars ́ Vita ist nicht mit wenigen kunstbekannten Sendern fassbar. Über eine intensive musikalische Prägung in der Kindheit ging's ins Architekturbüro. Die erworbenen digitalen Fähigkeiten, räumliches Sehen und Denken, eine lehrreiche fotografische Ausbildung bei einem Fotografen und vielen anderen Künstlern aus unterschiedlichen Bereichen verschafften ihm die einzigartige Grundlage für seinen schnellen Sprung in die Selbständigkeit. Mars machte sich auf den Weg, die Welt mit seinen bildnerischen Ideen so umzuformen, wie er sie sieht.
Seine künstlerische Arbeit tritt nicht bescheiden auf. In zum Teil sehr großem Format, technischer Perfektion und eigener Bildsprache führen seine lustvollen Eigenwelten zum großzügigen Staunen.
Birgit Höppl
MA, Kunsthistorikerin
Edwin Scharff Museum / Neu-Ulm