Die Arbeit Metamorphosis untersucht den biologischen Transformationsprozess des Schmetterlings als poetisches und strukturelles Prinzip. Ausgangspunkt des konzeptionellen Ansatzes ist die Metamorphose in der Natur – der präzise Moment des Aufbrechens des Kokons und der Freisetzung einer neuen organischen Form. Dieser Übergangszustand zwischen physischer Spannung, Wachstum und Entfaltung bildet das Fundament der Arbeit.
Das textile Material wird hierbei als skulpturales Medium eingesetzt, um diesen Prozess dreidimensional im Raum zu verorten. Durch intuitive Faltung, Zugspannung und Materialverdichtung des Baumwollgewebes entstehen lineare Formationen, die an komplexe biologische Netzwerke oder Flügeladern erinnern. Die Struktur suggeriert eine immanente, sich nach außen vollziehende Entfaltungsbewegung. Mit einem Durchmesser von 150 cm und einer Relief-Tiefe von 8 cm entfaltet das monochrome Werk eine starke plastische und architektonische Präsenz.
Über die Abstraktion des Naturphänomens hinaus fungiert die Metamorphose als visuelle Metapher für intrapsychische Wandlungsprozesse des Menschen. Analog zu den evolutionären Zyklen der Natur vollzieht sich die Transformation in der menschlichen Psyche oft in Phasen der Latenz, bevor neue Strukturen des Denkens und Seins manifest werden.
Anstatt Natur rein mimetisch abzubilden, dekonstruiert und reinstalliert die Arbeit deren fundamentale Prinzipien in abstrakter Form. Die Überführung von textiler Materialität in eine starre, reliefartige Raumstruktur verweist direkt auf Prozesse des Wachstums, der Verwandlung und der inneren Entwicklung. Damit positioniert sich Metamorphosis als konsequenter Beitrag im Spannungsfeld zwischen Naturphilosophie und psychologischer Selbstreflexion.